„Zukunfts-Kinder“ von Patricia Radda

Ein gellender Schrei dringt durch die Stadt Wer hat das mit den Kindern gemacht? Ich hab eins gesehen gleich hier Unter freiem Himmel, wild wie ein Tier Es lief mit seinen eigenen Beinen Legt dieses Kind doch an die Leinen Es bewegt sich völlig frei Holt doch endlich Hilfe herbei! Da! Oh Gott, jetzt kommen noch mehr Schaut doch, grad waren die Straßen noch leer! Ich kanns nicht verstehen Wie kann denn das gehen? Und Lärm machen sie, vorher wars leis! Aber hab ich nicht hier auf Schwarz und Weiß Dass ein jeder Fratz bleibt auf seinem Platz? Ja, so … „Zukunfts-Kinder“ von Patricia Radda weiterlesen

„Ein Gedicht über Heimat“ von Patricia Radda

Ein Gedicht über Heimat Mit fröhlichen, lebenslustigen Gedanken an H.C. Artmann   Familie das is Heimat sonst nix keine verschlafenen Gassen malerische Häuser Kirchen oder Berge da is nichts schön das gibt’s überall aba das ungwaschene Gschirr am Tisch oda die schmutzige Wäsche am Bodn Hängemattn im Gartn, vertrocknete Beete hot ja koana Zeit kaputtes Spielzeug das is Zuhaus egal an welchem Ort so schauts überall aus Haustiergräber und Mäusefallen Autoersatzteile und halbverrostete Autos   Die Menschen, die sagen sie lieben dich und du passt auf sie auf die zählen und da is das außerhalb egal egal, wo wir grad … „Ein Gedicht über Heimat“ von Patricia Radda weiterlesen

Untergegangen. von Patricia Radda

Ein Stein hat mich erschlagen. Du hast ihn auf mich geworfen Und dann bin ich zu Boden gegangen. Du hast Steine in meine Taschen gesteckt Und hast mich ins Wasser gelegt. Ich bin untergegangen.   Und ich komme nicht mehr hoch. Du hast gesagt, ich kann nicht gewinnen. Und dann habe ich verloren. Ich denke ans Untergehen Und sinke immer tiefer. Da sind Steine in meinen Händen. Untergegangen. von Patricia Radda weiterlesen

Jeder an seinen Platz II

Jeder an seinen Platz II   Der Tod friert. Ihm ist ganz kalt. Er zittert. Er lehnt sich gegen die Schulter und weint. Die Schulter wundert sich. Sie hat den Tod noch nie weinen gesehen. Die Schulter fragt den Tod was los ist. Der Tod weint. Die Schulter ist ganz nass und regt sich auf. „Dafür bist du doch da“, sagt der Tod, „Zum Ausweinen und zum Anlehnen bist du doch da.“ „Na gut“, sagt die Schulter und das Herz unterhalb der Schulter fragt: „Was ist denn los?“ Und der Tod sagt: „Ich habe kein Herz.“ Und die Schulter zuckt … Jeder an seinen Platz II weiterlesen

Jeder an seinen Platz

Jeder an seinen Platz   Mein Herz geht allein einen Berg hinauf. Da – jetzt ist es oben. Es steht am Gipfel und wundert sich Es hat nie bemerkt, dass es allein ist Einen Moment – nur einen ganz kleinen Moment lang – ist es stolz, denn es hat viel geschafft   Dann ist der Moment vorbei und mein Herz ist erschöpft. Es setzt sich nieder und trinkt aus der Quelle. Da spürt es plötzlich etwas anderes.   Das Herz ist nicht allein.   Es fängt schneller an zu klopfen und überlegt, wie schnell es davon laufen kann. Es war … Jeder an seinen Platz weiterlesen

Anleitung.

Du sollst meine Gedichte lesen, aber du willst nicht Ich sage dir in welcher Stimmung du bist, wenn du es liest: Du bist hoffnungslos, weil es so lange ist. Du gibst mittendrin auf.   Ich werde dir sagen, in welcher Stimmung du sein musst, damit es dir gefällt.   Bei einem Text musst du an Krieg denken. Auch wenn du dein Land hasst, musst du patriotisch denken, als wenn du die deinen liebtest.   Bei diesem Text musst du an Frieden denken, denn der Krieg dauert schon zu lang. Alle sind tot, hungrig, oder dürsten nach Leben. Es gibt keinen … Anleitung. weiterlesen